Standorte

Ausgangslage

Die meisten der Beweidungsflächen wurden vor Aufnahme der Eselbeweidung seit Jahren nicht mehr beweidet oder gemäht und befanden sich in einem schlechten Erhaltungszustand, viele waren stark vergrast und verbuscht. Mit der Eselbeweidung kann bereits nach ein bis zwei Beweidungsgängen eine sichtbare Entnahme von Biomasse erreicht werden.

 

Inzwischen führt die regelmäßige Nutzung zu einer deutlichen Verbesserung des Erhaltungszustandes der Trockenrasen aus Naturschutzsicht, was sich auch in der Zukunft noch so fortsetzen wird.

 

 

Glockenblume

 Sibirische Glockenblume. Foto: Andreas Herrmann

 

 

Kernberge-Orlowsky

Lage: Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, Gemarkung Buchholz, Landkreis Barnim

Größe: ca. 1,1 ha

Eigentümer: Land Brandenburg, Pächter: Sarah Fuchs

Beweidung mit Eseln: seit 2009

Förderung: Die Untere Naturschutzbehörde fördert die Beweidung mit Ausgleichsmitteln aus dem Flächenpool des Landkreis Barnim.

 

Naturschutzgerechte Beweidung

 

Naturschutzfachliche Bedeutung, Erhaltungszustand und Bewertung:

Die Fläche gehört zu den wertvollen Potenzialstandorten für Pflanzengesellschaften der Trocken- und Halbtrockenrasen und der zugehörigen Fauna. Insgesamt ist eine Zuordnung zum prioritären FFH-Lebensraumtyp Nr. 6210 - Naturnahe Kalk-Trockenrasen und deren Verbuschungsstadien (Festuco-Brometalia) - möglich.

Am westlichen Waldrand und in den unteren Hangbereichen kommen auch z.T. blütenreiche Glatthaferwiesen vor. Der besondere Wert des Flurstücks als Lebensraum für Pflanzen und Insekten liegt im Charakter als Übergangsstandort zwischen Trockenrasen und trockenen Glatthaferwiesen und in seiner windgeschützten und damit warmen Lage.

Hervorzuheben ist das Vorkommen des stark gefährdeten Bibernell-Widderchens (Zygaena minos, RL 2). Im Übergangsbereich Glatthaferwiese - Trockenrasen befindet sich das Hauptvorkommen der Kleinen Bibernelle (Pimpinella saxifraga ssp. nigra), der Fraßpflanze dieses Falters.

 

Beeinträchtigungen (2008):

  • starke Gehölzsukzession (Schlehe)

  • Vergrasung, Ausbreitung des Landreitgrases wegen fehlender Nutzung

 

Maßnahmen und Nutzung:

Vor Aufnahme der Eselbeweidung fand auf der Fläche keinerlei Nutzung statt. Seit 2009 wird Orlowsky jeweils 6 - 8 Wochen beweidet. Der Beweidungszeitraum lag bisher in Absprache mit Naturschutzexperten zum Schutz des Bibernell-Widderchens zwischen August und April, in den Monaten Mai bis Juli fand i.d.R. keine Nutzung statt.

 

 

Krähenberge / Jungfernberge

 

Lage: Nationalpark Unteres Odertal, Gemarkung Stolzenhagen, Landkreis Barnim

Größe: ca. 20 ha

Eigentümer: Verein der Freunde und Förderer des Nationalparks

Pächter: Sarah Fuchs

Beweidung mit Eseln: seit 2011

Förderung: Die Eigentümer haben ihr Land freundlicherweise zu günstiger Pacht zur Verfügung gestellt. Die Beweidung wird mit Mitteln des Flächenpools des Landkreises Barnim von der unteren Naturschutzbehörde unterstützt.

 

Krähenberge Herde

 

Naturschutzfachliche Bedeutung, Erhaltungszustand und Bewertung:

Die Krähenberge und Jungfernberge gehören zu den sechs wertvollen Trockenrasengebieten im Nationalpark Unteres Odertal. Auf dem Areal wachsen viele äußerst wertvolle und z.T. seltene Pflanzen wie der Kreuzenzian oder das Federgras. Im Bereich der Jungfernspitze befindet sich auch Sandtrockenrasen mit Sandstrohblume. Teile der Maßnahmenfläche sind aktuell noch als Entwicklungsflächen für Trockenrasen klassifiziert. Hervorzuheben ist das Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Schwarzen Kuhschelle an einem Steilhang der Krähenberge. Die Pflanze ist im Nationalpark nur noch an einem weiteren Standort bekannt. Die konkurrenzschwache Art ist auf Bodenverwundung angewiesen, wie sie v.a. durch Beweidung, nicht aber durch Mahd erreicht werden kann.

 

Der besondere Wert des Areals als Lebensraum für Pflanzen und Insekten liegt außerdem im Charakter als Übergangsstandort zwischen Trockenrasen und geschützten Waldlebensräumen der Schutzzone 1 des Nationalparks und v.a. im Bereich der Jungfernberge in seiner windgeschützten und damit trocken-warmen Lage.

 

Bei Aufnahme der Beweidung war der Lebensraum beeinträchtigt v.a. durch Gehölzsukzession, starke Verbuschung und Vergrasung in großen Teilbereichen aufgrund der seit Jahren fehlenden oder nur sporadischen Nutzung.

 

Maßnahmen und Nutzung:

Im Winter 2010 / 2011 wurden von der Naturwacht des Nationalparks kleinräumig an wertvollsten Hangbereichen manuelle Biotoppflegemaßnahmen durchgeführt, um einem völligen Verbuschen / Vergrasen entgegenzuwirken. Auf einer Teilfläche fand 2011 noch Ackernutzung (überwiegend Ackerfutter) statt, wurden aber bereits Ende 2011 in die Beweidung einbezogen. Eine weitere Ackernutzung wird nicht mehr stattfinden.

 

Die Beweidung mit Eseln und Maultieren wird seit 2011 durchgeführt. Die Beweidung erfolgt in der Regel abschnittsweise und auf den Teilflächen dann möglichst intensiv. Ansonsten findet je nach Witterungsbedingungen auch auf der gesamten Fläche Winterbeweidung statt. Als Witterungsschutz steht den Eseln dann ein Weidezelt zur Verfügung.